Der große (Buch-)Trip

Der große (Buch-)Trip

„Ich litt. Ich litt so sehr. Ich wollte die Dinge anders haben, als sie waren. Dieser Wunsch war eine Wildnis, aus der ich allein wieder herausfinden musste. (…) Ich wusste nicht, wohin ich ging, bis ich dort war.“

Ich habe diese Passage aus Cheryl Strayeds Buch „Der große Trip“ bestimmt hundertmal gelesen. Oft habe ich dabei geweint, geschluchzt und mich vor Schmerz gekrümmt. Weil diese Zeilen so wahr waren. Weil sie so tief gingen. Weil diese Frau ich war. Ich hatte auch keine Ahnung, wohin ich ging. Und ich war Lichtjahre entfernt von dem Ort, an dem ich sein wollte.

Cheryl Strayeds autobiografischer Roman hat mir immer wieder den Verstand gerettet und mich motiviert, weiterzumachen, auch an Tagen, an denen ich Sinn und Zweck meines persönlichen „Trips“ beim besten Willen nicht erkennen konnte. Ich wusste nur, dass ich genau wie Cheryl damals im Buch „die Frau mit dem Loch im Herzen“ war.

Dennoch hatte sie nicht aufgegeben, sondern war allen Widrigkeiten zum Trotz über 1700 km weit auf dem Pacific Crest Trail gelaufen, einem Fernwanderpfad, der von der mexikanischen bis zur kanadischen Grenze führt, um sich selbst wiederzufinden. Um „wieder meinen Platz zwischen den zehntausend Dingen einzunehmen“, wie sie es formuliert. Sie sollte Jahre dafür brauchen, so wie ich auch. Nach über zwei Jahren bin ich noch immer nicht angekommen – Cheryl benötigte dafür sogar die doppelte Zeit…

Ein Blick auf den Klappentext der deutschen Übersetzung von Reiner Pfleiderer:

Ein emotional aufwühlendes Buch, nicht zuletzt vielleicht auch, weil es eine wahre Geschichte ist; über eine starke schwache Frau, die Fehler macht und unter ihnen leidet. Die ihr nahestehende Menschen verletzt und selber mehr verletzt wird, als sie ertragen kann. Die in Drogenmissbrauch flüchtet und doch ihren klaren Verstand behält, der sie letztlich auf auf den richtigen Weg – den PCT – führt. Wer sich je in einer Lebenskrise befunden und etwas Wertvolles verloren hat, wird beim Lesen verstehen, warum dieses Buch für mich wieder und wieder ein Rettungsanker war.

Übrigens kam ich erst durch die Verfilmung von und mit Reese Witherspoon zum Lesen des Romans: Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich allein ins Kino ging, um einen Film zu sehen. Für mich zu jener Zeit eine Leistung, auf die ich stolz war. Der Film konnte die Intensität des Buchs verständlicherweise nicht ganz einfangen, hat mich aber dennoch sehr berührt, so dass ich mir gleich am nächsten Tag den Roman bestellte. Unnötig zu erwähnen, dass ich beides uneingeschränkt empfehle…

Als totaler Lesefreak werde ich zukünftig immer mal wieder eine Buch-Rezension posten, unter anderem über den eindeutig schrägsten Roman der Welt und natürlich über das Werk, dem dieser Blog seinen Namen verdankt… Es bleibt also spannend!

Stay tuned and live wild!

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