Sand im Getriebe oder wohin geht die Reise?

Sand im Getriebe oder wohin geht die Reise?

Ich habe lange überlegt, welche Überschrift ich für diesen Post wähle. Zur Auswahl stand ein ziemlich wirres Gemisch aus Wörtern, die alle irgendwie mit meinem derzeitigen Seelenzustand zu tun haben, aber ich glaube, dass „Sand im Getriebe“ es am besten trifft.

Momentan habe ich nicht den blassesten Schimmer, wohin ich eigentlich unterwegs bin. Kommt das vielleicht dem einen oder anderen bekannt vor?!

Ich stecke gerade wieder in einem Loch. Es ist nicht bodenlos wie das vom letzten Jahr. Wenn ich mich aufrecht hinstelle, Schultern zurück, Kopf hoch, kann ich über den Rand gucken. Ist das ein Fortschritt? Wahrscheinlich schon. Mein Verstand ist klar, was aber nicht heißt, dass ich weniger traurig bin. Ich glaube nicht, dass die Zeit alle Wunden heilt; ich glaube, Zeit macht es höchstens leichter, mit den Wunden zu leben. Weil man sich an sie gewöhnt. So sieht’s aus.

Ich war in den letzten Monaten so aktiv wie seit Jahren nicht. Ich habe diesen Blog ins Leben gerufen und mich zu Instagram getraut; ich laufe mit nicht versiegender Leidenschaft, koche und esse wesentlich „sauberer“ als früher, streiche Möbel eigenhändig, gehe ganz allein ins Kino. Ich wuppe das kleine Haus und den großen Garten, die Katzen und das Pferd; ich wechsele auch die Glühbirnen an meinem Auto selbst. Tja. Ich liebe meine Unabhängigkeit und die Freiheit, jederzeit meine eigenen Entscheidungen treffen zu können. Ich genieße und brauche das Alleinsein. Nicht immer, aber meistens.

Könnte mir trotzdem mal jemand sagen, wo es langgeht?

Bisweilen beschleicht mich der Gedanke, dass all mein Aktionismus eher der Ablenkung von der emotionalen Leiche im Keller meines Herzens dient als einem höheren Ziel. Entsprechend sind Stimmungstiefs natürlich vorprogrammiert, denn Verdrängung funktioniert nun mal nur zeitlich begrenzt. Mit anderen Worten: Ich trete auf der Stelle und mein Leben ist zur Zeit eher ziellos als wild. Ich brauche mich nur auf Instagram umzugucken und entdecke im Nullkommanichts zig Leute, die wilder leben als ich! Sind die wirklich alle dermaßen im Einklang mit sich und der Welt? (Antwort: Nein, garantiert nicht, auch wenn es so aussieht.)

Klar, es liegt an mir selbst, ob mich das deprimiert oder motiviert. Momentan ist es, um ehrlich zu sein, vor allem von meiner Tagesform abhängig.

Was tut man, wenn man nicht weiß, was man tun soll?

Ich weiß es nicht genau. Atmen. Weiterlaufen, einen Fuß vor den anderen setzen. Darauf vertrauen, dass der Weg sich im Gehen bahnt. Das Positive immer im Auge behalten. An das Gute glauben und Gutes tun. Tiefschläge als Momentaufnahme sehen. Und an schlechten Tagen versuchen, nicht zusammenzuklappen, auch wenn der Drang oft überwältigend groß ist. Oder die Dämme einfach brechen lassen, aber dabei nicht vergessen, dass kein Übel ewig währt, wie schon vor sehr langer Zeit Epikur so treffend feststellte.

Das Universum hat echt einen seltsamen Humor – aber wenn es dir etwas wegnimmt, gibt es dir dafür etwas anderes. Vielleicht nicht unbedingt das, was du dir in diesem Augenblick ersehnst, aber immerhin. Friss oder stirb und mach das Beste draus.

Immer wilde Grüße!

3 thoughts on “Sand im Getriebe oder wohin geht die Reise?

  1. Lindi

    Liiinaaaa…

    Das ist schwierig, ich kann das Gefühl gut nachvollziehen.

    Weiteratmen ist wichtig. Nicht die Luft anhalten 🙂 Weiterlaufen unbedingt. Aber nicht blind. Halt inne und sei offen für das was dir „am Wegesrand“ entgehen könnte: Neue Leute? Neue Erkenntnisse?

    An das Gute glauben und Gutes tun – ja, und an dem Schlimmen, dem Unbegreiflichen nicht zerbrechen.

    Tiefschläge können auch Warnsignale sein, oder Wegweiser. Oder auch Umwege zum (Etappen)Ziel.

    An schlechten Tagen, ganz ehrlich, da kann man es sich auch mal erlauben grummelig und maulig zu sein. Und auch die Dämme brechen zu lassen, da bin ich ganz bei dir. Verdrängung ist mit das Schlimmste das man seiner Psyche und auch seinem Körper antun kann. Denn früher oder später äußert sich verdrängter Schmerz körperlich. Und dann wird es richtig fies 🙁

    Ich hab auch noch „Überlebensstrategien“ parat die mich mein Leben gelehrt hat:

    Sich abgrenzen von Leuten die einem nicht gut tun. Nicht immer muss es mit einem radikalen Kontaktabbruch enden, aber sich abzugrenzen, „meins bei mir und deins bei dir“ (Susanne Hühn) zu lassen, das kann sehr hilfreich sein.

    Tun was einem gut tut und sich nicht zu etwas zwingen um fremdbestimmten Maßstäben gerecht zu werden.

    Die eigene Einstellung hinterfragen: Bewerte ich Dinge über? Ziehe ich mir „jeden“ Schuhe an, sprich: nehme ich mir Dinge zu sehr zu Herzen oder steigere mich zu sehr hinein? Wenn das so ist kann man es sich mit ein bisschen Übung schon viel einfacher machen und einfach mal nicht reagieren. Auch nicht innerlich.

    Ganz schön lang geworden 😉

  2. Iris

    Du trittst auf der Stelle? Wunderbar!
    „Einfach“ den Bliickwinkel wechseln!

    Winzer treten auf der Stelle und es kommt wunderbarer Wein heraus

    Katzen treten quasi auf der Stelle wenn sie sich wohlfühlen und dir mit dem Milchtritt eine kostenlose Akkupunktur verpassen

    Hunde treten auf der Stelle um sich ein Plätzchen für eine gemütliche Pause zu schaffen.

    Pause ist gut. Pause ist ok. Und Pause ist wichtig. Ohne Pause keine Regeneration- und ohne diese kein Fortschritt.

    Sieh es nicht als destruktiv sondern als einen Schritt in Richting Ziel.

    Ja, da melden sich die Wunden. Werden es auch wieder tun. Und trotz -oder wegen?!- dieser Wunden: was hast du nicht schon alles geschafft?!

    Du warst doch nie der Typ für ein gleichförmig ödes Leben wie eine Linie. Die Tiefpunkte mögen bitterer sein als bei anderen, dafür sind die Höhen aber umso stärker.

    Allein dass beides da ist, macht dein Leben doch „wild“. Dass du auch beides zulassen kannst. Das ist Stärke.

  3. Lina

    Puhh… Das ist echt reichlich Stoff zum Nachdenken! Ich musste eure Kommentare mehrmals lesen… und das sicher nicht zum letzten Mal. Sehr wahr, sehr weise. Danke an euch beide – wer Menschen wie euch in seinem Leben hat, muss nicht verzweifeln! <3

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