Wild leben: Eine Kurzanleitung

Wild leben: Eine Kurzanleitung

Wild zu leben ist keine Frage des Status oder des Geldes. Es ist eine Lebenseinstellung, zumindest für mich. Vielleicht besinnt man sich ab einem gewissen Alter (Frauen um 40, ist klar…) auch wieder mehr auf seine Wurzeln und das, was man sein, wofür man stehen möchte.

Ich konnte mich zum Beispiel noch nie mit Standards anfreunden. Ich komme aus einer nicht gerade konventionellen Familie und habe deshalb auch nie das Bedürfnis verspürt, mich anpassen zu müssen oder so zu sein wie alle anderen, um nicht aus der Masse herauszufallen. Dennoch bin ich mir in den letzten Jahren irgendwie selbst abhanden gekommen und muss mich jetzt nicht nur wieder-, sondern auch herausfinden, was mir wirklich wichtig ist und wie ich leben will, um glücklich sein zu können.

Als ich darüber nachgedacht habe, was eigentlich dazu gehört, wild zu leben, bin ich ziemlich schnell auf die folgenden 5 Punkte gestoßen. Ich nehme an, das bedeutet, dass sie wirklich wichtig sind! Tatsächlich beruhen meine eigenen Erfahrungen und das, was ich – teilweise unter Schmerzen – lernen musste, ziemlich genau auf dem, was ich dir jetzt erzähle. Wenn du also selber danach strebst, wild(er) zu leben, weil es sich für dich richtig anfühlt oder die Zeit dafür einfach reif ist, dann kannst du dich an meiner „Kurzanleitung“ orientieren.

1. Vergiss Konventionen

Du hast ein Leben. Das solltest du nutzen, um dich selbst glücklich zu machen. Lebe für dich und nicht für andere. Tu das, was dich erfüllt, und vergiss alles, was dich hemmt oder daran hindert. Sätze wie „Das macht man nicht“ oder gar „Das gehört sich nicht“ solltest du sofort aus deinen Gedanken und deinem Wortschatz verbannen! Ebenso etwaige Befürchtungen, was Familie, Freunde, Kollegen, Nachbarn über dich denken könnten. Die können dein Leben nicht für dich leben – das kannst nur du. Also gestalte es so, wie es DIR gefällt, egal wie sehr es aus dem üblichen Rahmen fallen mag.

Wenn du eine Dreierbeziehung führen willst, führe sie. Wenn du deinen gesamten Urlaub damit verbringen willst, in einem rumänischen Tierheim auszuhelfen statt auf Mallorca am Strand zu braten, helfe. Wenn du Weihnachten allein im Bett liegen und lesen willst, lese. Du verstehst, was ich dir sagen will?

Es ist DEIN Leben! Gib Konventionen keine Macht über dich. Was zählt, ist dein Seelenfrieden.

2. Bleibe unabhängig

Ganz, ganz wichtig. Bitte niemals unterschätzen!

„Ohne Moos nix los“ ist ein selten dämlicher Spruch, aber leider hat er nach wie vor Bestand. Deswegen sorge dafür, dass du stets dein eigenes Geld besitzt/verdienst, das du auf dein eigenes Konto trägst, ganz gleich, wie wenig es sein mag. Ja, das kann man auch, wenn man verheiratet ist! Nichts im Leben ist sicher; mitunter können sogar vermeintlich in Stein gemeißelte Selbstverständlichkeiten ganz plötzlich wie Kartenhäuser in sich zusammenkrachen. Wie auch bei mir.

Sei dir genügend wert, um für dich zu sorgen. Und zwar jederzeit. So bist du vor unliebsamen Überraschungen gefeit und immer Herr bzw. Frau über deine eigene Lage. Kaum etwas anderes ist so viel wert!

3. Mach dich glücklich

Auf der ganzen Welt gibt es nur eine einzige Person, die dafür verantwortlich ist, dich glücklich zu machen. Das bist du selber.

Früher war mir das nie so klar. Heute weiß ich, es ist die Wahrheit. Kein Freund, kein Ehepartner und auch sonst niemand außer dir steht in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass du das Gleichgewicht in deinem Leben findest. Alle, die dir nahestehen, können zu deinem Glück beitragen und es ergänzen, aber die Basis bist du selbst. Deshalb mach dich auf die Suche nach dem, was dich erfüllt, falls du es noch nicht entdeckt hast.

Wie ich auf der Seite „Tiere“ neulich schrieb – deine Berufung findet dich normalerweise sowieso. Und wenn es nicht deine Berufung ist, dann lass dich von dem finden, was dir gut tut, was dir Spaß macht und dir inneren Frieden bringt.

Hör auf dein Bauchgefühl. Wenn du tief in dir drinnen geerdet bist, kann kein Sturm dich dauerhaft von den Füßen reißen.

4. Wähle deine Freunde

Ebenfalls ein unfassbar wichtiger Punkt, wie ich lernen musste.

„Einen wahren Freund erkennst du in der Not“ – noch so eine gleichermaßen abgedroschene wie zutreffende Phrase. Als ich Anfang letzten Jahres ganz unten war, half mir in erster Linie eine Handvoll Freunde, wieder auf die Füße zu kommen, in dem sie mir symbolisch und praktisch unter die Arme griffen, und das vollkommen selbstlos. Das Bedenkliche daran ist: Es waren zum größten Teil NICHT die Freunde, von denen ich tatkräftige Hilfe erwartet hätte, wenn es ernst wird. Die Freunde, für die ich meine Hand ins Feuer gelegt hätte, taten wenig bis gar nichts für mich. Das stellte meine Welt auf den Kopf und war sehr, sehr schmerzhaft. Allerdings hat diese extrem bittere Pille, die ich schlucken musste, auch eine sehr wichtige und weitreichende Erfahrung beinhaltet.

Seitdem sehe ich Freundschaft in einem anderen Licht und wähle meine Freunde mit Bedacht, auch wenn das bedeutet, dass so mancher Mensch, den ich für wichtig hielt, keinen Platz mehr in meinem Leben hat. Dafür haben sich einige oftmals erfrischend andere und bereichernde Freundschaften ergeben, die zum Teil noch im Wachstum sind. Das ist total schön und spannend.

5. Schaffe dir Rückzugsmöglichkeiten

Jeder Mensch sollte einen Ort haben, an den er gern zurückkehrt und wo er auftanken kann, wenn draußen vor der Tür die Hölle los ist, sinnbildlich ausgedrückt. Im Idealfall ist dieser Ort dein Haus bzw. deine Wohnung.

Ich erlebe es allerdings oft, dass der eigene Wohnraum nicht als die Oase erlebt und gestaltet wird, die er sein könnte und sollte. Vielen Menschen, die ich kenne, scheint ihre Wohnsituation relativ gleichgültig zu sein. Sie denken nicht im Traum daran, Zeit, Geld und Mühe zu investieren, um es sich schön und gemütlich zu machen, so dass sie jeden Tag voller Freude nach Hause zurückkommen und sich fallenlassen können. Sie wohnen nur irgendwo, ohne dort zu leben.

Mir ist das ein Rätsel. Klar, nicht jeder hat das Glück, ein süßes kleines Haus mit einem tollen Garten sein eigen zu nennen, so wie ich das neuerdings tue. Aber das ist auch gar nicht nötig. Jeder kann sich seine persönliche Zuflucht schaffen, sogar mit wenigen Mitteln und an Orten, die von außen vielleicht wenig ansprechend wirken. Entscheidend ist, dass du einen Platz hast, an dem du dich rundum wohlfühlst und der deiner Persönlichkeit entspricht. Wohin du dich jederzeit zurückziehen kannst, wenn dir danach ist. An dem du dich sicher fühlst. Der dich stärkt.

Ich mag mein Haus so sehr, dass ich gern viel Zeit dort verbringe. Ich will nirgendwo wohnen, wo ich nur schlafe! Wo sollte ich sonst meine „Wohlfühltanks“ auffüllen?!

Think about it…

Wilde Grüße!

2 thoughts on “Wild leben: Eine Kurzanleitung

  1. Iris

    100% ins Schwarze getroffen mit allen 5…

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